Afrika Magazin

REPORTAGE (M)ein Tag auf Safari Der Tag auf einer Safarilodge ist nichts für Langschläfer, sondern beginnt früh, sehr früh - so viel sei gesagt. Zum Sonnenaufgang erfolgt der Weckruf, meist ein freund- liches Klopfen an der Tür. Während ich mich noch bemühe die Augen zu öffnen, hat meine bessere Hälfte schon das Programm im Bad absolviert. Ein zaghafter Blick auf die Uhr, es ist kurz nach 5 Uhr, nicht meine Zeit! Da ich so früh nicht logisch denken kann, habe ich am Abend vorgesorgt. Lange Hose, T-Shirt, Pullover und Jacke liegen schon bereit, noch schnell der Schal, Sonnenbrille, Fotoapparat und das Fernglas – und fertig. In der Lounge erwartet uns ein kleines Frühstück. Eine Tasse Tee und die schwierige Entscheidung zwischen Obst oder einem herrlich duftenden Muffin, dann geht es los. Unser Ranger John führt uns zum offenen Safarifahrzeug und erläutert die Safarietikette, während Tracker Libuku sich auf einen Sitz schwingt, der auf der Motorhaube montiert ist, er ist unser Spurenleser und hat Augen wie ein Adler. Es ist schon hell, aber die Sonne ist noch nicht zu sehen und der Fahrtwind lässt uns frösteln! Die Nächte in Afrika können lausig kalt sein. ABER, sobald die Sonne am Himmel steht, wird es warm und auf dem Rückweg werden wir im T-Shirt unterwegs sein. Rund drei Stunden haben wir die Bewohner des afrikanischen Busches beim Aufwachen beobachtet. Neben unzähligen Vögeln, diversen Antilopenarten, Zebras und einer kleinen Giraffenherde haben wir ein Löwenrudel mit drei verspielten Jungen gesehen, eine Herde Elefanten beim morgendlichen Bad und eine betagte Nashorndame beim Frühstück beobachtet. Zwischendurch, auf einer kleinen Anhöhe mit herrlicher Aussicht, gab es einen heißen Kakao zum Aufwärmen und noch einen großartigen Muffin. Zurück auf der Lodge erwartet uns ein weiteres köstliches Frühstück mit exotischem Obst, Müsli, frisch gebackenem Brot und anderen Leckereien sowie ein „Hot Breakfast“: Eier in allen Varia­ tionen mit Speck, gegrillten Tomaten und Wurst. Wir haben uns entschieden an diesem Vormittag den Busch zu Fuß zu erkunden und treffen uns nach dem Frühstück wieder mit John. Der hat das Gewehr geschultert und sein Vogelbestimmungsbuch unter dem Arm. Wir werden eher nicht auf große Tiere treffen, erklärt er uns, sondern viel über die wirklich kleinen Lebewesen lernen. Spuren und Losungen – die Hinterlassenschaften der Tiere – lesen, Vögel bestimmen und natürlich auch Pflanzen kennenler- nen. John begeistert uns mit seinem Wissen und die zwei Stunden vergehen wie im Flug. Auf unserer privaten Terrasse stehen zwei Liegestühle mit Blick auf das um diese Uhrzeit völlig verlassene Wasserloch und ich döse bis zur Essenszeit im Schatten ein wenig vor mich hin. Das Mittagessen wird auf der Terrasse des Restaurants serviert. Es gibt Butternusssuppe, Impala Filet mit knackigem Gemüse und eine Vanillecreme zum Nach- tisch, vorzüglich! Für den frühen Nachmittag habe ich einen Termin im Spa gebucht. Unter den erfahrenen Händen der Beauty-Fachfrau Teresa schmelze ich dahin, während ich mit ihr plaudere. Bereitwillig gibt sie Auskunft über ihr Leben im Busch und fragt mich über mein Leben in Europa aus. Meinen Schatz finde ich anschließend am Pool, schlafend. Gegen 16 Uhr werden erneut leckere Köstlichkeiten auf­ getischt - eine echte Tea Time. Neben kleinen Törtchen und Obst tummeln sich Scones mit süßer Sahne und herzhafte Sandwiches auf dem Buffet. Mit einer Kühlbox biegt John um die Ecke und los geht es zur zweiten Pirschfahrt. Nach der Hitze des Tages sinkt die Sonne langsam und die Tierwelt erwacht wieder zum Leben. Warzenschweine wühlen im Matsch, Flusspferde kommen zum Grasen an Land, nur die Elefantenkinder wollen noch nicht aus dem Mittagsschlaf erwachen und dösen im Schatten ihrer gewaltigen Mütter und Tanten. Über buckelige Pisten fahren wir durch das Reservat, verfolgen Spuren, zücken das Fernglas und beobachten eine Horde Affen beim neckischen Spiel. Kurz vor Sonnenuntergang steuert John einen malerischen Platz oberhalb des Flusses an und lässt uns aussteigen. Er zaubert gemeinsam mit Libuku eine kleine Bar auf die Motorhaube und wir erleben unseren ersten afrikanischen Sundowner. Eine Tradition, die ich liebe und nicht mehr missen möchte. In Afrika geht die Sonne nicht einfach unter. Nein, der Sonnenuntergang wird regelrecht zelebriert! Jeder Ranger kennt die schönsten und romantischsten Plätze und verführt Abend für Abend seine Gäste zu einem kühlen Getränk. Ich entscheide mich für den Safari-Klassiker, einen Gin Tonic. Der beugt Malaria vor – sagt man – und mit Blick auf die eigene Gesundheit schmeckt er nochmal so gut. Bei unserer Rückkehr hat sich bereits die tiefschwarze afrikanische Nacht über das Land gelegt, die Lodge ist von Kerzen, Fackeln und Petroleumlampen erleuchtet. John lädt uns auf einen Aperitif an die Bar ein, wo wir den Nachmittag Revue passieren lassen, bis laute Trommeln plötzlich durch die Nacht schallen und zum Abendessen rufen. Die Köche haben sich wieder selbst übertroffen und wir genießen hervorragende afrikanische Küche unter dem funkelnden Sternenhimmel. Vor der Terrasse lodert ein Lagerfeuer, um das sich nach dem Essen alle versammeln. Elefanten, Löwen und Co. domi- nieren die Gespräche. Die Ranger verabschieden sich und wünschen eine gute Nacht. Morgen früh um 5 Uhr stehen sie wieder parat, um uns ihr Afrika zu zeigen. Auch uns überkommt die Müdigkeit. Bewaffnet mit einer Taschen­ lampe begleitet uns der Nachtwächter zum Bungalow, wo das Bett schon aufgedeckt ist und zum Reinkuscheln lockt. Was für ein Tag! Wir haben viel über Flora und Fauna gelernt. Aber auch, dass man auf Safari nahezu genauso häufig isst wie auf einem Kreuzfahrtschiff – außerdem fängt der frühe Vogel doch den Wurm und nichts ist unmöglich. Mitten in der Wildnis zaubert das Personal der Lodge eine unglaubliche Atmosphäre und umsorgt die Gäste mit Herz und Seele. Glauben Sie, dass Sie bei einer Safari den ganzen Tag durch den Busch streifen, auf der Suche nach dem afrikanischen Wild? Oder mucksmäuschenstill Stund´ um Stund´ am Wasserloch ausharren bis dort durstige Tiere auftauchen? Dem ist mitnichten so! 25

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